ARD plusminus TV Beitrag über Passivhäuser, Wärmepumpen und KAMPA

Am 4.11.2015 lief in der ARD Sendung plusminus ein Beitrag mit dem Titel „Bauherren-Ärger: Wenn Passivhäuser viel zu viel verbrauchen“. In dem Beitrag geht es um Passivhäuser die deutlich mehr Strom zum heizen verbrauchen, als sich das die Bauherren erhofft und die Baufirma im Vorfeld versprochen hat. Bei der Baufirma handelt es sich im konkreten Beispiel um KAMPA.

Diese Thematik kam mir sehr bekannt vor. Bereits im Juni hatte ich einen TV Beitrag mit ähnlichem Inhalt verlinkt. (TV Beitrag über Kampa) Der Beitrag damals lief ursprünglich am 14.4.2015 in der Sendung Umschau im MDR und hatte den Titel „Energiesparhäuser treiben Besitzer in den Ruin.“

Kurz zusammengefasst ging es um mehrere Bauherren, die alle um das Jahr 2012 herum Passivhäuser von KAMPA gebaut haben. Die meisten davon kamen aus der Nähe von Leipzig. Alle war gemeinsam, dass in ihren Häusern eine Luft-Luft Wärmepumpe des finnischen Herstellers Enervent verbaut worden war. Und diese Wärmepumpe war wohl deutlich überdimensioniert für die Häuser, was die Heiz- bzw. Stromkosten erheblich in die Höhe getrieben hat.

Am Ende des Beitrags gab es keine Lösung zwischen den betroffenen Bauherren und KAMPA. KAMPA selbst wollte eine weitere Heizperiode lang Messungen anstellen, um die Ursachen des zu hohen Verbrauchs zu klären. Was für die Betroffenen kein zufriedenstellendes Angebot darstellte. Einige dachten über den Klageweg nach, andere wollte die verbaute Wärmepumpe wohl auf eigene Kosten durch ein anders Heizsystem ersetzen.

Einer der betroffenen Bauherren betreibt ebenfalls einen Baublog (Leipziger Passivhaus Blog) hat diesen aber leider seit dem 2.6.2015 nicht mehr aktualisiert.

Hier noch einmal der MDR Beitrag vom 14.4.2015:

Screenshot MDR Umschau

Und hier der ARD Beitrag vom 4.11.2015: UPDATE: Die ARD hat den Beitrag heute (24.11.2015) aus der Mediathek entfernt.

Bildschirmfoto 2015-11-08 um 21.08.30

Es wird schnell deutlich, dass es sich bei dem neuen Beitrag nicht um eine Fortsetzungen des MDR Beitrags handelt, der aufklärt wie die Geschichte für die betroffenen Bauherren ausgegangen ist. Statt dessen handelt es sich zum großen Teil um den gleichen Beitrag der nur neu vertont und anders zusammengeschnitten wurde.

Verändert hat sich hierdurch allerdings der Schwerpunkt des Beitrags. Ging es im Original noch stärker um die konkrete Situation einiger weniger enttäuschter Bauherren gegenüber KAMPA, wirkt der neue Beitrag eher wie eine allgemeine Kritik an Wärmepumpen. Betrachtet man einzelne Zitate und das Fazit des Beitrags muss man eigentlich schon eher von einem Angriff auf die Wärmepumpentechnik allgemein, zugunsten von traditioneller Heiztechnik wie Gas und Öl, sprechen.

Besonders gut wird dies meiner Meinung nach vor allem an den folgenden Punkten deutlich:

1. Keine Differenzierung zwischen unterschiedlichen Wärmepumpentechniken
Im Original Beitrag wird die Technik der Wärmepumpen, die bei den gezeigten Bauherren gebaut wurde, konkret und detailliert beschrieben. Es handelte sich um Luft-Luft Wärmepumpen. Die Wärmeenergie kommt also nicht durch Heizkörper oder eine Fußbodenheizung ins Haus, sondern durch eine Lüftung. Diese Technik ist günstiger, aber eben auch weniger effizient, als Luft-Wasser Wärmepumpen. Im neuen ARD Beitrag wird aber immer nur allgemein von „Wärmepumpen“ gesprochen und so der Eindruck erweckt, als sei diese Technik allgemein stark anfällig für böse Überraschungen bei der Abrechnung.

2. Risiken werden einseitig dargestellt.
Im Beitrag heißt es „Die starke Dämmung von Passivhäusern ist gut und sinnvoll. Doch die Wärmepumpen, die in den meisten Häusern eingebaut werden, bergen Risiken. Anders als Gas- oder Ölheizungen müssen sie exakt ans Haus angepasst werden.“ Dies suggeriert, dass dieses Risiko nur bei Wärmepumpen besteht. Aber auch bei Gas- und Ölheizungen drohen Mehrkosten wenn die Systeme überdimensioniert und falsch eingestellt sind.

3. Manipulation durch Schnitt
Zeno Bastian vom Passivhaus Institut Darmstadt äußert sich positiv über Wärmepumpen. Er sagt: „Das ist eigentlich nicht unsere Erfahrung, dass da hohe Stromkosten auftreten. Also der Heizwärmebedarf ist wie gesagt sehr gering, wenn die Wärmepumpe gut funktioniert. Mag sein, dass es in einzelnen Projekten da technische Probleme bei der Einstellung oder was auch immer gab.“ Sein Kommentar wird allerdings mit „Die Passivhauslobby präsentiert die Wärmepumpe als bewährte Technologie“ eingeleitet und er damit direkt als angeblicher Lobbyist diskreditiert. Nach seinem Statement wird gezeigt, dass die Probleme der Bauherren mit den Luft-Luft Wärmepumpen nicht durch Änderungen der Einstellungen zu beheben sind. Dabei bezieht sich sein Kommentar überhaupt nicht nur auf diesen einen Fall, sondern auf Wärmepumpen allgemein.

4. Verkürzt und/oder aus dem Zusammenhang gerissen
Oskar Wolf von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. äußert sich wie folgt: „Das wird über die Werbung schön überdeckt. Dann heißt es, das ist ein tolles Ding, das ist innovativ, das ist eine moderne Gebäudeheizung. Aber für den realen Gebäude-Betrieb ist es oftmals eine Kostenkatastrophe.“ Unklar bleibt worauf sich seine Aussage bezieht. Der Beitrag suggeriert aber, dass er sich allgemein negativ zu Passivhäusern und Wärmepumpen äußert. Betrachtet man die Ziele der Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. scheint es aber unrealistisch, dass er das wirklich so gemeint hat.

5. Fazit des Beitrags
„Ein konventionelles Haus hätte ihnen den Ärger erspart. Und weil die inzwischen auch ganz gut gedämmt sind, hätten sie am Ende vielleicht sogar mehr für den Umweltschutz getan.“ Der Beitrag ist nicht im geringsten ausführlich und ausgewogen genug um einen sinnvollen Vergleich zwischen fossilen und elektrischen Wärmequellen anzustellen und schon gar nicht um so ein einseitiges Fazit zu rechtfertigen.

Es gäbe noch weitere Beispiele, aber ich denke es wird auch so deutlich.

Da ich nichts über den aktuellen Stand der Dinge zwischen den betroffenen Bauherren und KAMPA weiß, möchte ich diesen Sachverhalt hier zunächst einmal ausklammern.

Durch diesen Hausbaublog hatte ich viel Kontakt zu anderen Bauherren. Darunter auch viele die schon in ihren Häusern wohnen. Viele haben von Streitigkeiten und Problemen während der Bauphase berichtet, aber keiner hatte nach Einzug Probleme mit einer zu hohen Stromrechnung im Zusammenhang mit der verbauten Wärmepumpe. (KAMPA verbaut gegenwärtig standardmäßig Luft-Wasser Wärmepumpen von Viessmann in Verbindung mit einer Fußbodenheizung und nicht mehr die Luft-Luft Wärmepumpen von Enervent, um die es in dem MDR Beitrag ging.)

Der ARD Beitrag ist daher in meinen Augen kein ausgewogener und informativer Journalismus, sondern eher einseitige Meinungs- und Panikmache.

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